Reaktionäre Abtreibungsgegner / “Lebensschützer”
Die Mitglieder der Organisation “Lebensschützer” stammen vornehmlich aus fundamentalistisch christlichen Kreisen, zusammengefasst in zahlreichen Gruppen wie “Euro Pro Life” oder “Helfer für Gottes kostbare Kinder”.
Grundlage ihrer reaktionären Ideologie ist die Schöpfungsordnung nach Adam und Eva, also zutiefst patriachal und heteronormaitv, Frauen werden einzig und allein als Mütter wahrgenommen, da dies Gottes Plan sei. Frauen wird dabei das Recht am eigenen Körper grundsätzlich abgesprochen, man wendet sich sowohl gegen Verhütung als vor allem auch gegen Abtreibung.
Zitat: “Wird eine Frau nach einer Vergewaltigung schwanger, dann hat’s ihr Spaß gemacht.” (Salzburger Erzbischof Georg der Anfang der 90er)
Es zeigt sich sowohl der kirchliche Hintergrund als auch der Status der Organisation – die katholische Amtskirche ist einer der führenden Unterstützer. Der Papst Josef Ratzinger war beispielsweise von 1981 bis 2005 Präfekt der Heiligen Kongretation für Glaubensfragen, dieses Gremium stellt sich ebenfalls radikal gegen Abtreibung und Verhütung. Nicht nur offensichtlich religiös geprägte Organisationen vetreten diese Ansicht, ebenso verbreiten vermeintlich (!) weltliche Vereinigungen mit sachlich-neutralen Informationen die “Lebensschützer”-Ideologie, so die “Europäische Ärzte Aktion”. Fernab vom religiösen Bereich sind zahlreiche LebensschützerInnen in Parteien organisiert, außer in den eigenen Parteien “Christliche Liga” oder “Christliche Mitte” findet man Anhänger der Organisation auch in der CDU/CSU (bei den “Christdemokraten für das Leben” (CDL)) oder der FDP (im Gesprächskreis “Lebenskreis”), ebenso aber auch bei der SPD und den Grünen.
Politisch haben die genannten Parteien wenig mit den “Lebensschützern” gemein, deren Ideologie lässt sich weit rechts einordnen. Mit der patriarchalen, heteronormativen Einstellung gehen sowohl rassistische als auch völkische Standpunkte einher, ebenso antisemitische.
Nur all zu gern spricht man vom “Aussterben des deutschen Volkes”,so der Kardinal-von-Galen-Kreis 1991 in einem Biref an den damaligen Innenminister Schäuble: “”Der Krieg gegen die Kinder bringt und jährlich Menschenverluste, die in der Größenordnung des Russlandfeldzuges liegen. Diese Verluste werden durch Asylanten ausgeglichen. Diese erhalten soziale Zuwendungen, die wir durch die Tötung deutscher Kinder eingespart haben, ein Teufelskreis, der mit der Vernichtung unseres Volkes endet.”
Ebenso setzt man Schwangerschaftsabbrüche mit dem Holocaust gleich, es entstehen Worte wie “Babycaust” oder man vergleicht Abtreibungen mit dem Nationalsozialismus, wobei Abtreibungen als schlimmer dargestellt werden, da diese auf Egoismus und Ichsucht basieren und die Tötung aus Selbstsucht damit schlimmer ist und im Gegensatz dazu der Massenmord der Nazis mit einer Ideologie versehen war, schließlich hätten sich die Opfer der Nazis gegen das Unrecht wehren können, denn sie seien ja erwachsen gewesen.
Die Parallelen der “Lebensschützer” zu den Nazis zeigen sich auch in den Idealen: Vaterlandsliebe, Ehre, Gehorsam, Opferbereitschaft (vor allem der Frauen), Ein- und Unterordnung. Der Unterschied ist wahrscheinlich, dass bei den einen der Führer Adolf Hitler hieß, bei den anderen dagegen Jesus.
Bekanntlich müssen sich Frauen vor einem Schwangerschaftsabbruch einem Beratungsgepräch unterziehen, laut den Lebensschützern werde die Frau damit als unmündig und unwissend bewertet, schließlich gäbe es für Männer in keinerlei Zusammenhang eine ähnliche Bestimmung. Es zeige sich also auch im Kapitalismus Patriachat, patriarchale Kontrolle und Rollenverhalten.
Info: am 20. September findet in Berlin ein “1000-Kreuze-Marsch” der “Lebensschützer” statt, ebenso am 4. Oktober in München. In Berlin bildete sich bereits ein Gegenbündnis; in München mobilisieren ebenfalls die “Freien Nationalen München” (um P. Hasselbach), ebenso findet vom 3.-5. Oktober ein Kongress der “Lebensschützer” statt.
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